ANKE WOGERSIEN
A u t o r i n

Lyrik

  
                             
                                                      

Gedankenflug

Wenn in meinen Texten die Buchstaben entgleisen vor Müdigkeit                    
und zwischen den Zeilen die Leere lauert
wenn der Sekundenzeiger meiner Schreibtischuhr tickt
Schluss machen, Schluss machen, Schluss machen!             
und Morpheus vergebens wartet                 
dass mein Tag vor Mitternacht endet

lässt hier und da ein Wort seine Hülse fallen und beginnt leise zu singen,                 
um auf einem Gedankenflug die eine Silbe zu finden
die ihm zuflüstert: Nimm mich!
weil sie nicht allein bleiben will in dieser Nacht.
Und dann schlingen sie die Arme umeinander deine müden Worte
und im Glück sich neu zu entdecken
spielen sie gemeinsam auf den Äckern 
und fliegen zusammen nach dem Süden
wo sie sich endlich vereinen zu einem dreiviertel Halbsatz
über Ewigkeit und Trost.
Morgens wenn du zur Tür hinaustrittst in die kühle Luft
und im Dunkeln über das feuchte Gras streifst
wehen sie dich an deine törichten Worte
und selig bei dir zu sein
fragen sie zweifelnd ob sie bleiben dürfen.
   

                                                   Anke Wogersien                       
                   
                            

 


Abschied von Cornwall

Geheimnisvolles Keltenreich
Tintagel - Tintagel - Tintagel!
Greenwell will ich dich nennen
du Hecken und Blumen durchträumter Süden.
Auf sonnigem Grün wollweiße Schafe -
dahingetupft wie clotted cream.
Aus mythenschweren Wolken Tränen
die uns Reisepiraten mahnen:
Lasst hier das Herz aus Stein
doch füllt das Pint Erinnerung
bis Ihr seid trunken von dem Reiseglück
und balanciert das volle Glas
an den Euch eigenen Platz zurück.
Stechginster blüht -
Küsst
wie es Euch gefällt!
Ein Pub ist diese Welt.
Und wenn Ihr wieder nüchtern seid
dann macht Euch auf:
Denn Männer müssen reisen
und Frauen ebenso.
Farewell, Cornwall, Farewell!
                                           
                                                                  Anke Wogersien




 

 

Zeitentanz
(Sieben vor Pink)

                                                 
Im Zauberland
wo sich Himmel und Erde
die Bühne teilen
gibt es nicht Nicht
verinnerlichen wir Verinnerlichen
schenkt uns Eigentlich ein Gesicht.
Miteinander reden ist Platin
alles Dunkle guckt sich weg.
Am Wasser der Gelassenheit
fließen die Farben ineinander
wandern wir gemeinsam
über eine sanfte Ebene aus Sand
lassen wir uns finden und
tausendundein Ding ziehen.
Wir sind frei,
Wichtiges sichtbar zu machen.
In einer zeitenlosen Zeit
tanzen Lampen
tragen wir eine Krone von extra Lachen
und fädeln die Tage wie Perlen.
        

                                   Anke Wogersien